(Siehe auch unser VIDEO, und weitere Texte und Fotos ...) Da
sie im kalten Spätherbst 1989 in einem Wald stark erkältet aufgefunden wurde,
hatte sie einen Stimmbandschaden und konnte nicht mehr richtig
"sprechen" ... nur wenn es sein mußte, bot sie alles auf, um laut zu
werden...
Es
gibt vieles, das ich nie vergessen werde, natürlich auch, weil sie mich immer
an meine Mutter erinnert. Vor
allem eines geht mir nie mehr aus dem Sinn:
Das
erste Mal sah ich sie 1990, und danach hatte ich ein sehr anstrengendes Jahr,
fand erst nach einem Jahr an Weihnachten
wieder Zeit, zu meiner Mutter zu fahren. Ich
war fest davon überzeugt, dass sich "Mohrle" an mich nicht mehr
erinnern würde, da sie auch immer "gefremdelt" hat und bei Besuch
meist das Weite suchte.
Sie
hatte eine besondere Angewohnheit, die sie in den letzten Monaten auch
zunehmend verlor: sie wollte, meist frühmorgens,
fast stundenlang durch die Wohnung gehen, dabei immer wieder gestreichelt werden
und sich an allen
Ecken das Köpfchen reiben; offenbar war ihr bis dahin niemand dabei gefolgt,
außer mir. Und auch ich hatte es
bis zu meinem zweiten Besuch vergessen.
Doch
als ich mir morgens um Sechs Kaffee machen wollte, stand sie schon vor meiner
Tür, und forderte mich mit entsprechenden
Bewegungen und Gemaunze zu "unserem Gang" auf.
So
ging es viele Jahre lang, immer wartete "Mohrle" auf mich.
Ich
war gerührt und in Tränen aufgelöst darüber, dass sich "Mohrle" nach
einem Mal und so langer Zeit an das erinnerte, was ihr so gut gefallen hatte,
und dass sich jemand besonders gut auf sie eingestellt hatte.
Das
war eine Lehre für mich, die ich nie vergessen, und wofür ich
"Mohrle" immer dankbar sein werde: nie zu vergessen, worüber
sich andere Wesen freuen könnten.
So war sie wie meine Mutter, die sie im Tierheim gefunden hatte: immer kämpferisch, vorsichtig - aber bereit, ihre übergroße Liebe und Zuneigung zu geben, die so oft übersehen, ausgenutzt oder nicht verstanden wurden, was sie in Abwehrstellung brachte.
Es
ist natürlich traurig, dass dies alles nun vorbei sein muß. Aber
wir sind sicher, nachdem wir alles versucht haben, das Richtige getan zu haben.
Wir möchten "Mohrle" in guter Erinnerung
behalten.
Sie
schlief nach der Narkose-Spritze sofort ein; der Abschied vom irdischen Leben
hat ihr keine Qual bereitet. Nun ist sie bei ihrem Frauchen.
Etwas
Schönes gibt es dennoch, zu dem wir auch lange überlegt haben, ob wir uns
darauf einlassen sollen. Aber
vielleicht ist es ja sogar kein Zufall, dass der endgültige Verfall von
"Mohrle" zeitlich zusammenfällt damit, dass einem Nachbarn und
Freund von uns vor kurzem ein Kater zugelaufen ist ... Der
Nachbar hat schon drei Katzen und suchte verzweifelt nach einem Zuhause für den
jungen Kater. Zuerst
haben wir abgelehnt, denn natürlich wollten wir "Mohrle" nicht
zumuten, uns in ihrem Zustand auf ihre alten Tage noch mit einem jungen Kater
teilen zu müssen.
Doch
nun war einfach nichts mehr zu machen für "Mohrle", und nachdem wir
wirklich alles Mögliche für sie getan haben, dürfen
wir uns auch guten Gewissens von ihr verabschieden, und haben uns entschlossen,
"Topsi" - so soll der Kater heißen - zu uns zu nehmen.
Wir hoffen, er wird sich bei uns so wohlfühlen wie es "Mohrle" noch ein Jahr tun konnte.